23.07.2015   |   Abrechnung in der Arztpraxis

Aus ABRECHNUNG EXAKT: Impfabrechnung und Abrechnungshierarchie

Den Impfvereinbarungen der Länder liegt zwar die Schutzimpfungsrichtlinie (SI-RL) des Gemeinsamen Bundesausschusses zugrunde.

Im Rahmen der landesspezifischen Impfvereinbarungen, die die so genannten Pflichtleistungen umfasst, werden mit verschiedenen Krankenkassen oder deren Verbänden dann aber noch landesspezifische Impfvereinbarungen geschlossen. Jede KV, ja fast schon jeder Krankenkassenverband, kocht da ein eigenes Süppchen. Das beginnt mit den Abrechnungsnummern und geht über Zusatzkennzeichnungen bis hin zu Impfempfehlungen der einzelnen Landes-STIKOs.

Klären wir zunächst einmal die unterschiedlichen Begriffe:

1. Impfpflicht

Eine Impfpflicht liegt dann vor, wenn eine Impfung als Präventivmaßnahme vom Gesetzgeber vorgeschrieben wird. In Deutschland gibt es für Menschen keine Impfflicht, wohl aber für Tiere.

2. Pflichtimpfung

Dieser Begriff bezieht sich nicht auf eine Impfpflicht, sondern darauf, dass die gesetzlichen Krankenkassen dazu verpflichtet sind, die Kosten der Impfungen, die von der STIKO empfohlen werden, zu übernehmen.

3. Indikationsimpfung bei erhöhter Gefährdung

Nicht alle Impfempfehlungen der STIKO (Ständige Impfkommission) gelten für alle Menschen gleichermaßen. Manche Immunisierungen werden als sogenannte Indikationsimpfungen nur einem besonders gefährdeten Personenkreis empfohlen, z.B. bestimmten Berufsgruppen, Reisenden oder Kontaktpersonen von Erkrankten.

In letzterem Fall spricht man auch von einer „Riegelungsimpfung“. Hierher gehören beispielsweise auch Reiseimpfungen (z. B. Gelbfieber), die aufgrund internationaler Vorschriften oder nationaler Einreisebestimmungen vorgeschrieben sind oder zum persönlichen Schutz des Reisenden angewandt werden.

4. Satzungsimpfung

Mit Satzungsimpfungen sind Impfungen gemeint, die einzelne Krankenkassen in ihrer Satzung aufgenommen haben, obwohl sie nicht zu den STIKO-Empfehlungen gehören. Das bedeutet, dass diese Impfungen nur bei in der entsprechenden Krankenkasse versicherten Patienten abgerechnet werden können. Meist handelt es sich hier um Reiseimpfungen (z. B. Hepatitis A).

Die Schutzimpfungsrichtlinie fordert eine lückenlose Dokumentation der durchgeführten Impfungen:

Zu diesem Zweck hat der gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) eine Übersicht von Dokumentationsnummern erstellt, die Sie in Anlage 2 der Schutzimpfungsrichtlinie finden: www.g-ba.de/informationen/richtlinien/60/

Vielleicht wundern Sie sich, wenn Sie sich die Dokumentationsnummern anschauen, dass diese identisch sind mit den Gebührenordnungsnummern, die Sie für die Impfungen abrechnen. In der Tat haben einige KVen der Einfachheit halber diese Dokumentationsnummern als Gebührenordnungspositionen für die entsprechenden Impfungen übernommen.

Achten Sie bei der Abrechnung auf die Hierarchie der verschiedenen Impfarten:

Die Entscheidung, nach welcher Vereinbarung geimpft und abgerechnet wird, ist nämlich hierarchisch gegliedert:

  1. Zunächst muss bei allen Kassen geprüft werden, ob eine Impfung im Rahmen der Schutzimpfungs-Richtlinie (Standard- vorrangig vor Indikationsimpfung) durchgeführt und abgerechnet werden kann.
  2. Erst dann kommen die Zusatzimpfregelungen für einen Großteil der Krankenkassen in Betracht und
  3. zum Schluss gegebenenfalls die Verträge mit einzelnen Kassen (Satzungsimpfungen).

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